Schätze der Biblioteca Apostolica Vaticana – Litterae

  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  

Unter Kennern ist die Vatikanische Bibliothek nicht nur für ihre Bibelsammlung bekannt, sondern auch für eine herausragende Sammlung von Handschriften zu Literatur und Wissenschaften. Eine Auswahl von zwölf Blättern präsentiert die bedeutendsten weltlichen Handschriften.

Zu sehen sind von links nach rechts: »Meerjungfrau (Tiere und Fabelwesen des Meeres)«, Tierbuch, Urb. lat. 276; Titelblatt des »Paradieses« mit Dante und Beatrice, Divina Commedia, Urb. lat. 365; »Zwei Schiffe im Sturm«, Vergilius Romanus, Vat. lat. 3867
Zu sehen sind von links nach rechts: »Meerjungfrau (Tiere und Fabelwesen des Meeres)«, Tierbuch, Urb. lat. 276; Titelblatt des »Paradieses« mit Dante und Beatrice, Divina Commedia, Urb. lat. 365; »Zwei Schiffe im Sturm«, Vergilius Romanus, Vat. lat. 3867

Die Vatikanische Bibliothek als Schatzhaus weltlicher Bücher

Wer die erste Vatikankassette Biblica kennt, wird sich dort im Kernbestand apostolischen Büchersammelns wähnen: Die wunderbare Welt der Prachtbibeln ist sicherlich DIE Domäne der Vatikanischen Bibliothek. Eher nur in Fachkreisen bekannt ist dagegen, dass der Vatikan auch eine herausragende Sammlung von Handschriften zu Literatur und Wissenschaften besitzt. Der Gründer der Bibliothek, Papst Nikolaus V. (1447 – 1455) war ein bedeutender Humanist und Büchersammler. Die Bedeutung der weltlichen Handschriften für die Vatikanische Bibliothek unterstreicht die vorliegende Sammlung Litterae. Ein päpstliches Bekenntnis zu Humanismus und Universalität Papst Benedikt XVI. hat das Prinzip der Weltoffenheit in einer Grußbotschaft selbst zum Ausdruck gebracht: »Von ihren Anfängen bewahrte sie (= die Vatikanische Bibliothek) die unverwechselbare, wahrhaft ›katholische‹, universale Öffnung gegenüber all dem, was die Menschheit an Edlem, Rechtem, Lauterem und Liebenswertem (vgl. Phil 4,8) in Jahrhunderten hervorgebracht hat; … die Vatikanische Bibliothek ist also keine theologische oder überwiegend religiöse Bibliothek; getreu ihrer humanistischen Ursprünge ist sie ihrer Berufung nach zum Menschlichen hin offen; und so dient sie der Kultur.« Über Jahrhunderte haben Päpste über das im engeren Sinne Geistliche hinaus dem »wahrhaft Menschlichen« ihr Augenmerk geschenkt und Bücher gesammelt, die der Suche nach der Wahrheit dienen: bewusst oder unbewusst, religiös oder weltlich.

»Masken«, Terenz, Komödien, Vat. lat. 3 868, fol. 46v, Westdeutschland (Aachen) oder Lothringen, um 825. In der oberen Bildhälfte sind Chremes, Clitipho und Syrus, in der unteren Blatthälfte Menedemus und Chremes dargestellt.
»Masken«, Terenz, Komödien, Vat. lat. 3 868, fol. 46v, Westdeutschland (Aachen) oder Lothringen, um 825. In der oberen Bildhälfte sind Chremes, Clitipho und Syrus, in der unteren Blatthälfte Menedemus und Chremes dargestellt.

Litterae

Die zwölf in dieser Kassette versammelten Faksimileblätter repräsentieren die bedeutendsten weltlichen Handschriften der Vatikanischen Bibliothek. Die Auswahl erfolgte nach zwei Kriterien: In Frage kamen Handschriften, die entweder große Bedeutung für die Handschriftenüberlieferung klassischer Autoren haben, sowie solche, die für die Geschichte der Buchkunst und -malerei von größter Wichtigkeit sind. Die Handschriften entstammen einem Zeitraum von über 1000 Jahren. Die älteste Handschrift, die in dieser Kassette vertreten ist, ist das berühmte Vergilius-Vaticanus-Fragment aus dem 4.–5. Jahrhundert, mit Texten aus der Georgica und der Aeneis. Neben einer weiteren Vergil-Handschrift (6. Jahrhundert) sind weitere Höhepunkte der Sammlung ein Faksimileblatt aus dem Falkenbuch Friedrichs II. (13. Jh.), eine Szene aus Dantes Göttlicher Komödie von der Hand des großen Sandro Botticelli (15. Jh.) sowie die astrologische Tafel aus einer byzantinischen Ptolemäushandschrift (8.– 9. Jh.). Diese astrologische Tafel wurde auch als Vorlage für die echtvergoldete Messingscheibe als Dekor auf der Kassette verwendet.

»Die Gewalttätigen gegen die göttliche Ordnung«, Sandro Boticellis Dante, Reg. lat. 1896, Fol. 99r, Florenz 15. Jh. Auf ihrem Weg durch den Wüstenstreifen kommen Dante und Vergil durch das Gebiet der Sodomiten.
»Die Gewalttätigen gegen die göttliche Ordnung«, Sandro Boticellis Dante, Reg. lat. 1896, Fol. 99r, Florenz 15. Jh. Auf ihrem Weg durch den Wüstenstreifen kommen Dante und Vergil durch das Gebiet der Sodomiten.

Die Kassette

Die auf 1995 Exemplare limitierte Faksimile-Kassette »Große Bibliotheken der Welt: Biblioteca Apostolica Vaticana – Litterae« beinhaltet zwölf beidseitig bedruckte, in Passepartouts eingelegte Blätter. Sie wurden sorgfältig und mit großer Detailfreude nach den Originalen in der Vatikanischen Bibliothek gefertigt. Falls historisch gerechtfertigt, wurden die Blätter mit Echtgold veredelt. Die Kassette selbst misst 380 x 520 x 87 mm und ist mit grünem Rindsleder bezogen. Geschmückt ist die Kassette mit einer Reliefwiedergabe der runden astrologischen Tafel (byzantinische Ptolemäushandschrift, 8.–9 Jh.) aus vergoldetem Messing. Sie wurde exklusiv für die Vatikankassette gefertigt. Ein eingelegtes Kommentarheft erläutert kundig und anschaulich die Geschichte der Vatikanischen Bibliothek und die ausgewählten Blätter. Es stammt von Dr. Christine Maria Grafinger, Handschriftenkuratorin in der Vatikanischen Bibliothek.

»Falkenszene«, Giovanni Boccaccio, Dekameron, Pal. lat. 1989, fol. 174v, Paris 15. Jh. Der Adelige Federico degli Alberighi serviert der von ihm geliebten Dame Giovanna seinen Falken, weil er kein anderes Fleisch anzubieten an.
»Falkenszene«, Giovanni Boccaccio, Dekameron, Pal. lat. 1989, fol. 174v, Paris 15. Jh. Der Adelige Federico degli Alberighi serviert der von ihm geliebten Dame Giovanna seinen Falken, weil er kein anderes Fleisch anzubieten an.
»Granatapfel«, Dioscurides, Sammlung der Heilmittel, Chig. F.VII. 158, fol. 56r, Italien um 1400. Die Illustration zeigt den für den Mittelmeerraum typischen Granatapfel, eingerahmt von einer Quitte, einem Holzapfel und einer Malve
»Granatapfel«, Dioscurides, Sammlung der Heilmittel, Chig. F.VII. 158, fol. 56r, Italien um 1400. Die Illustration zeigt den für den Mittelmeerraum typischen Granatapfel, eingerahmt von einer Quitte, einem Holzapfel und einer Malve